Bürgeraktion Freudenstadt

Protokoll der Monatssitzung
vom
14. September 2015

Ort: Gasthaus Schwanen
Zeit: 20.00 Uhr - 22.00 Uhr

Anwesend: W. Trefz - B. Altendorf-Jehle - B. Wetzel - E. Gebele - R. + L. Lahme -
G. Kerig - A. Ortmann - G. + A. Lörcher - M. Scholz
Entschuldigt: R. Maurer - M. Matt - K. Breuer - F. Weitkamp - G. + S. Blickle

1. G. Lörcher begrüßt die Anwesenden nach der Sommerpause und weist darauf hin, dass
einige brisante Themen zur Diskussion stehen.

2. Zum Bergbauvorhaben im Christophstal informiert A. Ortmann: Die Informationspolitik
der Firma Sachtleben sei offen und objektiv. Berücksichtigt sei der ökologische Aspekt.
Einerseits setze die Firma aus Wolfach umweltfreundliche Standards um, was in den
chinesischen Bergwerken, aus denen bisher das Material bezogen werde, nicht der Fall
sei. Weiterhin sei der Abbau im Christophstal nach Aussage von Sachtleben wirtschaftlich
sinnvoll und es würden lange Transportwege zu Wasser und auf der Straße vermieden.
A. Ortmann verweist außerdem auf seinen Leserbrief im SchwaBo vom 1. 09. und die
Antwort darauf von Stadtrat Volpp vom 3. 09. Darin befänden sich mehrere ungenaue
Aussagen, die in einem neuen Leserbrief korrigiert werden sollen.
Den Ausführungen von A. Ortmann widerspricht W. Trefz: Er erinnert an das
Bergbauprojekt, das Sachtleben am Ort bereits vor 20 Jahren habe betreiben wollen. Der
Gemeinderat habe damals das Vorhaben abgelehnt, die Firma sei gegen diese
Entscheidung gerichtlich vorgegangen. Außerdem gibt W. Trefz zu bedenken, dass
Bergbau und Grünprojekt nicht zusammenpassen würden. Weiterhin belaste der
Abtransport des Materials mit Lastwagen die Ortsdurchfahrten von Freudenstadt, Lossburg,
Alpirsbach, Schenkenzell zusätzlich.
Es handle sich dabei lediglich um 10 LKW-Fahrten in jede Richtung, korrigiert A. Ortmann;
diese seien betreffs des Gesamtverkehrsaufkommens belanglos.

Als alter Christophstäler kennt B. Wetzel die Befindlichkeiten der Bewohner des Tales. Er
vertritt allerdings die Ansicht, dass das Vorhaben der Firma Sachtleben dem Christophstal
Aufmerksamkeit verschaffe und das Tal dadurch aufgewertet werden könne. Das Problem
(vor allem) der Bürgeraktion sei es nun, sich bei der Entscheidungsfindung und
Abstimmung gegebenenfalls gegen die Position der Bürger im Tal zu stellen. Eventuell
könnten Ausgleichsmaßnahmen durch Sachtleben vorgenommen werden.
Dem widerspricht M. Scholz heftig: Sachtleben sei keine soziale Einrichtung, sondern ein
gewinnorientierter Betrieb. Er interessiere sich nicht für das Tal, sondern für Profit.
Grünprojekt und Bergbau können durchaus harmonieren, argumentiert B. Altendorf-Jehle:
Das Christophstal sei eine jahrhundertealte Industriezone. Diese Tradition könne beim
Grünprojekt sichtbar gemacht und etwa mit Besuchsfahrten zu modernem Bergbau ergänzt
werden. Sachtleben habe außerdem lärmmindernde Maßnahmen zugesagt. Trotz alle dem
würden die Christophstäler öffentlich Widerstand leisten. Dies rühre her von den
jahrzehntelangen Animositäten gegen die Stadt und dem Gefühl, von dieser stets
vernachlässigt worden zu sein.
Einen weiteren Aspekt bringt E. Gebele in die Diskussion: Für sie können Bergbau und
Grünprojekt nur dann zusammenpassen, wenn dieses mit einem Ressourcen-Projekt
verknüpft und dadurch politisch wird. Bisher sei das Grünprojekt von außen fremdbestimmt.
Dabei seien gerade Mitsprache und Mitplanung durch die Bürger wesentlich für das
Vorhaben. Weiterhin müsse klar sein, dass das Sachtleben-Projekt für Freudenstadt völlig
bedeutungslos sei und die Verwaltung sich daher auch nicht dafür interessiere. Man wolle
als Stadt allerdings nicht offen gegen das Christophstal Stellung beziehen und schiebe die
Verantwortung deshalb dem Gemeinderat zu. Der sei nun in der zweifelhaften Position,
eine Entscheidung treffen zu sollen, die, wie auch immer sie ausfalle, falsch aufgefasst
werde.
3. Während der Sommerferien schaute sich eine interessierte Gruppe die Flächen am Hang
zum Christophstal an, die für das schon lange diskutierte Gartenprojekt in Frage kommen
könnten.
G. Kerig berichtet: Das Gelände sei sehr vielgestaltig, verschieden steil, verschieden
starker Wildwuchs, dazwischen eine Biotop-Fläche, mehr oder weniger verwilderte
Obstwiesen. Das weitere Vorgehen erfordere vorerst drei Schritte:
→ Wie komme man an die Grundstücksbesitzer heran. E. Kiessling kenne sie alle und

wolle mit ihnen in Kontakt treten.
→ Wen könne man als Kunden für zukünftige Bewirtschaftung gewinnen (für Garten,
Freizeitfläche o. ä.)
→ Welche Fördermöglichkeiten gebe es in Ba-Wü. Dazu brauche man Verbündete, um
die Stoßkraft für das Projekt zu bündeln und zu verstärken.
B. Altendorf-Jehle sieht Chancen für eine Verwirklichung innerhalb des Grünprojekts. Die
Gärten könnten als Bürgerprojekt / Bürgeraktionsprojekt ein Baustein für die Planung des
Gesamtprogramms werden. Dazu empfiehlt W. Trefz, solche Vorschläge auch mit
Baiersbronn ("interkommunal") zu kommunizieren.
4. Die Stadt Freudenstadt plant auf dem Kniebis beim ehemaligen Hotel Alexanderschanze
(jetzt im Besitz des Landes Baden-Württemberg) einen 1000 m - Aussichtsturm. Ein
Entwurf dafür wurde bereits ausgewählt.
Dazu informiert E. Gebele: Fünf Entwürfe hätten vorgelegen, eine Jury habe sich für den
am 28. 08. 2015 im SchwaBo vorgestellten Entwurf ("Tannenzapfen") entschieden. Dieser
müsse nun im Gemeinderat diskutiert und abgestimmt werden. Die Kosten für den Turm
seien noch nicht bekannt. Bislang seien 400 000 Euro im Haushalt eingestellt. Eine
Förderung als LEADER-Projekt sei möglich.
Wichtig sei, dass Freudenstadt und auch dieser Turm eingebunden werden in das im
Entstehen begriffene Nationalpark-Verkehrskonzept, damit er nicht von ausgedehnten
Parkplätzen eingefasst und hauptsächlich vom individuellen Verkehr angefahren wird. Dem
stimmt W. Trefz zu: Der Turm müsse integriert sein in ein Gesamt-Verkehrskonzept des
ÖPNV, das Nationalpark, Naturpark und Wildgehege erschließe. Außerdem müsse auf
handwerkliche Sorgfalt geachtet werden, damit aus Verbindungen von Stahl und Holz keine
Folgeschäden entstehen.
5. Auch Freudenstadt muss sich darauf einstellen, weitere Flüchtlinge aus Syrien und
anderen Teilen des Orients und Afrikas aufzunehmen. Dazu braucht die Stadt Gebäude.
Deshalb wirft E. Gebele die Frage auf, wie die Bürgeraktion sich zu diesen Problemen
verhalten müsse. Denkbar wäre, dass der "Birkenhof" wieder in die Diskussion gebracht
wird, eventuell "Post", "Sonne", "Tannenhof" (Kniebis) u. a. Ein Oberbürgermeister könne
sich doch durchaus mit der Haltung profilieren: "Ich reagiere auf Veränderungen!"

6. Zum Schluss weist G. Lörcher auf eine Veranstaltung der Arkaden-Buchhandlung hin: Am
25. September um 19.30 Uhr stellt Stephan Voegeli sein Buch "Nationalpark
Schwarzwald" vor.

Nächste Monatssitzung: Montag, 12. Oktober 2015, 20.00 Uhr, wieder im Gasthaus
"Schwanen".

Für das Protokoll:
Freudenstadt, den 17. September 2015
(gez.) A. Lörcher
--